4. Februar 2012

Bor­re­liose, FSME und Zecken: Mit­tel­hes­sen und die Schweiz im Wett­ren­nen um die finale Zeckenfalle

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Liebe Mit­tel­hes­sen­blog­le­ser: Das Gara­gen­wun­der von Bill Gates wie­der­holt sich — im mit­tel­hes­si­schen Ass­lar im Lahn-Dill-Kreis. Nur dass es die­ses Mal nicht um Bits und Bytes geht, son­dern um läs­tige Ver­tre­ter aus dem Reich der Spin­nen: Zecken. Gegen die Pla­ge­geis­ter hat der 31-jährige gelernte Büro­kauf­mann Mike Mol­den­hauer ein Mit­tel ent­wi­ckelt, das samt zuge­hö­ri­ger Dose zur Paten­tie­rung ansteht. Noch ist seine Werk­statt eine Garage. Das könnte sich  mit der Zeit ändern. Der Mit­tel­hesse ist aber nicht allein. In der Schweiz hat sich Tho­mas Huf­schmid, For­scher an der Zür­cher Hoch­schule für ange­wandte Wis­sen­schaf­ten eben­falls zum Kampf gegen die Holz­bö­cke auf­ge­macht. Beide Kon­zepte, so unter­schied­lich sie im Ansatz sind, sind rein bio­lo­gisch und haben ver­mut­lich das Zeug, gemein­sam zum Quo­ten­ren­ner zu werden.

Schweiß, Koh­len­di­oxid, Bär­lauch: Das sind nur einige der Zuta­ten, mit denen die Schwei­zer For­scher­gruppe um Tho­mas Huf­schmid in einem groß ange­leg­ten Feld­ver­such ein Jahr lang, von Mai 2009 bis Mai 2010, dem Geheim­nis der Zecken auf die Schli­che kom­men woll­ten. Ziel des Pro­jek­tes: Unter Aus­nut­zung des extrem guten  Geruchs­sinns der Zecken diese mit ihren eige­nen Waf­fen schla­gen und sie am Ende mit einem Pilz­bad zur Stre­cke zu brin­gen. Inzwi­schen kann Huf­schmid Ergeb­nisse die­ser Mach­bar­keits­stu­die vor­wei­sen. Huf­schmids For­schun­gen wur­den vor kur­zem im Schwei­zer Fern­se­hen vorgestellt.

Im mittelhessischen Asslar hat Mike Moldenhauer einen Weg gefunden, Zecken in die Falle zu locken. Währenddessen ist in der Schweiz ein Forschungsprojekt über Zeckenfallen abgeschlossen worden, das in spätestens drei Jahren marktreif sein soll

Mike Mol­den­hauer mit sei­ner Zeckenfalle

Wäh­rend in der Schweiz mit einem kom­plet­ten wis­sen­schaft­li­chen Appa­rat im Hin­ter­grund, eben dem der ZHAW, die Suche nach den bes­ten Zuta­ten für eine Zecken­falle auf­ge­nom­men wurde, machte sich Mol­den­hauer zusam­men mit einem Freund an die Erfor­schung des Pro­blems. Im Laufe von rund zwei Jah­ren hat der Büro­kauf­mann, der lange im Außen­dienst unter­wegs war, seine Ant­wort auf die Fal­len­frage gefun­den und ist damit nun seit dem Früh­jahr 2010 unter­wegs. Genau gesagt seit dem 1. April. Gemein­sam mit Bekann­ten, Freunde, der Fami­lie wur­den die ers­ten Lie­fe­run­gen gefer­tigt, ver­packt und auf den Weg zum Kun­den gebracht. Neben der Idee Mol­den­hau­ers ist auch die Umset­zung span­nend und erin­nert an man­ches heute erfolg­rei­che Fami­li­en­un­ter­neh­men: Um sei­nen Traum zu ver­wirk­li­chen, hat der Ass­la­rer kur­zer­hand sei­nen Wagen und noch eini­ges andere ver­kauft und der Erlös in den Auf­bau sei­nes jun­gen Unter­neh­mens gesteckt. Anfangs im Bekann­ten­kreis wegen sei­ner Idee belä­chelt, wird er jetzt ernst genom­men. Wie er sagt, seien inzwi­schen nam­hafte Ket­ten an ihn her­an­ge­tre­ten und hät­ten ver­sucht, ihm den Ver­trieb unter ihrem Dach schmack­haft zu machen. Ein­her­ge­gan­gen wäre das aber mit einem nied­ri­ge­ren Ver­kaufs­preis als dem, den er sel­ber pro Packung defi­niert hatte. Dar­auf will sich Mol­den­hauer aber nicht ein­las­sen. Statt­des­sen hat er sein eige­nes Netz genutzt, das noch aus sei­ner Zeit als Außen­dienst­ler stammt. So kommt es, dass die Zecken­falle aus dem mit­tel­hes­si­schen Ass­lar inzwi­schen in vie­len Bau­märk­ten, Apo­the­ken und Land­han­dels­märk­ten zu fin­den ist. Auch das Inter­net nutzt der umtrie­bige Jungunternehmer.

Das Motiv für Mol­den­hauer war eher pri­va­ter Natur: Sel­ber Vater jun­ger Kin­der und Hun­de­be­sit­zer waren ihm die Pla­ge­geis­ter ein Dorn im Auge. Die bekann­ten, auf che­mi­sche Lösun­gen  zurück­grei­fen­den Zecken­mit­tel, schie­nen ihm aller­dings nicht die rich­tige Lösung zu sein, zumal wenn man das Mit­tel dort ver­wen­det, wo man sich drau­ßen häu­fig auf­hält: Im Gar­ten.  Mit sei­ner Zecken­falle, die die Pla­ge­geis­ter mit einem Duft­stoff anlockt und sich dann fest­kle­ben lässt, hat Mol­den­hauer nun zumin­dest eine erste leicht ein­zu­set­zende Ant­wort gefun­den. Der Ass­la­rer will seine Pro­dukt­li­nie mit der Zeit aus­wei­ten. Zecken­bän­der für Hunde und Kat­zen könn­ten eines der nächs­ten Pro­jekte sein, an denen gear­bei­tet wird. Genauso aber auch die Aus­wei­tung sei­nes Geschäf­tes in andere Län­der wie die Tür­kei, die das ganze Jahr mit den Vie­chern zu tun haben, wie die Mode­ra­to­rin des Schwei­zer Fern­se­hens die Zecken tref­fend nennt.

In der Schweiz will man in maxi­mal drei Jah­ren soweit sein, um auf den Markt zu gehen. Anders als Mol­den­hauer, der bis­her jeden­falls nur an die rein pri­vate Kund­schaft geht, wol­len die Schwei­zer auch an öffent­li­che Plätze gehen. Ansprech­part­ner in die­sem Fall dürf­ten kom­mu­nale oder Lan­des­be­hör­den sein.

Den Bei­trag im Schwei­zer Fern­se­hen gibt es hier:

Über­sichts­karte für Bor­re­liose in Vor­be­rei­tungKri­tik an deut­schen Gesundheitspolitikern

Wie schlimm sieht es über­haupt um die Zecken­ge­fahr aus ? Wie­viel davon ist echt, wie­viel eher ein Geschäft mit der Angst vor Bor­re­liose und FSME. Gegen Bor­re­liose, wenn denn direkt dar­auf rea­giert wird, kann man sich mit Anti­bio­tika hel­fen. Vor der Viren­er­kran­kung FSME, die im schlimms­ten Fall töd­lich enden kann, hilft  Schutz­imp­fung.  Gegen Bor­re­liose sei zur Zeit außer der Antbiotika-Therapie nach einem Biss immer noch kein Kraut gewach­sen. Das stellte Irm­traut Hart­mann aus Dillenburg-Eibach fest, die gemein­sam mit Tanja Res­sel aus Schöf­fen­grund die Borreliose-Selbsthilfe-Gruppe Mit­tel­hes­sen lei­tet. Zur Zeit, so Hart­mann, werde an einer Karte für den mit­tel­hes­si­schen Raum gear­bei­tet, auf der die Borreliose-Verbreitung sicht­bar gemacht wer­den soll. Wie Hart­mann sagt, wür­den Men­schen mit Ver­dacht auf Bor­re­lio­se­er­kran­kun­gen aus dem gesam­ten mit­tel­hes­si­schen Raum vom Gie­ße­ner Land über den Lahn-Dill-Kreis und aus dem Limburg-Weilburger Raum bei ihr anru­fen. Die Ten­denz nehme zu.
Eine Über­sichts­karte habe auch der Dach­ver­band, der Bor­re­liose– und FSME-Bund Deutsch­land (BFBD) in Vor­be­rei­tung. Ute Fischer, die Vor­sit­zende des Pati­en­ten­bun­des, hatte sich 2009 bereits über eine Fal­schim­for­ma­tion aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium auf­ge­regt. Ihre Pres­se­mit­tei­lung hatte es mit die­ser Kri­tik in Teli geschafft, ein Blog, das sich kri­tisch mit den Grenz­fel­dern zwi­schen Jour­na­lis­mus und Wis­sen­schaft aus­ein­an­der­setzt. Fischer warf dem Minis­te­rium vor, mit einer Bro­schüre die Gefahr der Zecken­ver­brei­tung zu ver­harm­lo­sen. Das Minis­te­rium habe ledig­lich Baden-Württtemberg und Bay­ern als Gebiete miz Zecken­ri­siko dar­ge­stellt. Dies, so Fischer, sei falsch. Viele Betrof­fene in Deutsch­land leb­ten auch in Nordrhein-Westfalen, Nie­der­sach­sen, Ham­burg, Ber­lin und in den neuen Bun­des­län­dern. In einer aktu­el­len Pres­se­mit­tei­lung auf der Inter­net­seite des BFBD wie­der­holt Fischer diese Kri­tik und wirft dem aktu­el­len Gesund­heits­mi­nis­ter, dem pro­mo­vier­ten Arzt Phil­ipp Rös­ler, vor, die Gefahr zu ver­harm­lo­sen. Fischers Kri­tik an der deut­sche Gesund­heits­po­li­tik mag ihre Berech­ti­gung haben. Im Falle der Vogel­grippe war im Nach­gang bekannt gewor­den, dass die Gefahr sehr auf­ge­bauscht wor­den war, infol­ge­dess­sen ein  mil­lio­nen­schwe­res Impf­schutz­pro­gram ange­scho­ben wurde. Des­sen Kos­ten, so räum­ten die ver­ant­wort­li­chen Gesund­heits­po­li­ti­ker hin­ter­her ein, hät­ten wesent­lich nied­ri­ger aus­fal­len können.

Im Falle der Borreliose-und-FSME-Erkrankten ver­mu­tete die deut­sche BFBD-Vorsitzende einen zu gro­ßen Lob­by­ein­fluss der Phar­ma­in­dus­trie auf die Gesund­heits­po­li­tik , wenn es um die vor­beu­gende Bekämp­fung der von Zecken aus­ge­hen­den Gefahr geht. Zudem sorge die unzu­rei­chende Dia­gnose für zahl­rei­che Fehl­be­hand­lun­gen.
Die EU, so Fischer, wolle noch in die­sem Jahr, also 2010, eine euro­pa­weite Mel­de­pflicht für Bor­re­lio­se­er­kran­kun­gen ein­füh­ren. Deutsch­land habe bis­lang keine aktu­el­len Zah­len vor­ge­legt. Die jüngs­ten stam­men, so Fischer, von 1999.

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Comments

  1. Helena says:

    Auch in Hes­sen leben Betrof­fene und ich bin eins davon. Ich wurde in Hes­sen gesto­chen und dort gibt es sehr viele Zecken. Hes­sen ist, wie Sie wis­sen, ein wald­rei­ches Bun­des­land und auch in den Wein­ber­gen am Rhein sind Zecken eine Gefahr.

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  1. […] (Stich­wort 30 Millionen-Kürzungen) über Kri­ti­sches zur jähr­lich wie­der­keh­ren­den Zecken– und Bor­re­lio­se­ge­fahr , dem so genann­ten Bilderberg-Treffen bis hin zur Schutzhütten-Affäre und der Glauberg-Akte. Um […]

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