4. Februar 2012

Was Mat­thias Beltz zur WM zu sagen hat.…..

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VORSICHT: SATIRE!

Liebe Mit­tel­hes­sen­blog­le­ser: Ihnen läuft klamm­heim­lich ein Schauer den Rücken run­ter, wenn Sie die gan­zen schwarz­rot­gol­de­nen Fah­nen wogen sehen. Zwi­schen­drin mal ver­ein­zelt eine fran­zö­si­sche oder spa­ni­sche Flagge? Ach, das war vor vier Jah­ren. Heim­spiel. Sicher. Heute sind les Bleues ja ganz ohne sich mit Ruhm bekle­ckert zu haben, wie­der nach Frank­reich zurück­ge­kehrt. Immer­hin, die deut­schen Geschwis­ter haben Rache genom­men und rein vor­sorg­lich den Erb­feind Eng­land vom Rasen gekickt. Die Rot­kreuz­truppe war ja vor­her auf­ge­tre­ten und hatte über die Presse des euro­päi­schen Insel­staats ja ver­brei­ten las­sen, die deut­schen Pan­zer wür­den nun wie­der rol­len. Hat da jemand was von Pan­zer erzählt. Ist der Krieg wie­der aus­ge­bro­chen? Irgend­wie schon. Für die Bemer­kung, das Gesell­schafts­phä­no­men Fuß­ball habe etwas von einem Ersatz­krieg, habe ich in der Gemein­schaft der Twit­ter ja schon die eine oder andere iro­ni­sche Bemer­kung kas­siert. Aber damit steht der Kopf hin­ter dem Mit­tel­hes­sen­blog wohl in guter Gesell­schaft. Denn kein ande­rer als der kon­ge­niale Matt­hais Beltz hat in einem auf sei­ner offi­zi­el­len Home­page ver­ewig­ten Ton­do­ku­ment die glas­kla­ren Bezüge zwi­schen dem Phä­no­men Fuß­ball und den Daten der deut­schen Geschichte und dem Grund her­ge­stellt, wieso sich die Deut­schen irgend­wann ein­mal ent­schlos­sen hat­ten, den WM-Titel, wenn schon nicht als Dau­er­leih­gabe so denn doch als tur­nus­mä­ßi­ges zuste­hen­des wie­der­keh­ren­des Sport­tri­but für in frü­her Kind­heit erlit­tene Völkerball-Unbill zu betrach­ten. Uff, der Satz wäre jetzt zuende gebracht. Auch der ein heim­li­ches Denk­mal für einen ande­ren gro­ßen Deut­schen: Tho­mas Mann. Berühmt für seine über Sei­ten sich ergie­ßen­den Mam­mut­s­ätze. Mit Fuß­ball hatte Mann aber nichts zu tun. Zumin­dest ist das nicht über­lie­fert. Dafür über­raschte der Hes­si­schen Rund­funk in sei­nem Kul­tur­pro­gramm HR2 mit einer Hom­mage an den ein­sa­men Job des Tor­wäch­ters, mit Ver­satz­stü­cken aus dem Gedicht­werk von Rai­ner Maria Rilke. Wer hätts gedacht, dass der Mas­sen­sport Fuß­ball es in den Olymp hoch­geis­tig historisch-kabarettistisch-kultureller Betrach­tun­gen schaf­fen würde.

Übri­gens: Tho­mas Mann war kein Mit­tel­hesse, jeden­falls nicht d e r Tho­mas Mann. Aber in Mit­tel­hes­sen bekannt. Aber aus Mit­tel­hes­sen und nicht nur in Mit­tel­hes­sen bekannt, war, (lei­der muss man „war” sagen). Mat­thias Beltz stammt aus dem hohen Vogels­berg, hat in Gie­ßen gelebt und hat den Frank­fur­ter Tiger­pa­last mit­be­grün­det. Hier geht es zu sei­nen Betrach­tun­gen über Fuß­ball, deut­sche Geschichte und über­haupt :-) . Ein klei­ner tech­ni­scher Hin­weis: Auf der Seite dann auf das Laut­spre­cher­sym­bol kli­cken. Viel Spaß beim Hören.

Zum Schluss: Sie fra­gen sich, was die vier Flag­gen oben sol­len: Nun ja: Das allein offen­bart schon das Pro­blem, wo hin man sein Herz rein welt­meis­ter­lich hän­gen sollte: Mit zwei offi­zi­el­len Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten und zwei wei­te­ren inof­fi­zi­el­len Staats­an­ge­hö­rig­kei­ten durch die eigene Mut­ter und Groß­mut­ter? Da wirds schwie­rig. 2006 hatte ich das so gelöst. Trikoloren-Strandstuhl und Deutsch­land­fahne kom­bi­niert. Aber ich bin ja sowieso kein Fußballgucker.…Insofern.…:-)

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Comments

  1. K.L. says:

    Hallo,
    end­lich mal jemand, der die­ses geniale Zitat von Beltz aus­ge­gra­ben hat…war schon län­ger auf der Suche. Aller­dings würde ich mir das gerne her­un­ter­la­den, weiss aber nicht wie (auf der offi­zi­el­len Home­page ja gefun­den, über rechte Maus­taste tut sich nichts).
    Gibt’s hier einen Tip ?
    LG, 0712

  2. Hallo, K.L. So geht´s: Text kom­plett mar­kie­ren, dann auf kopie­ren kli­cken und in irgend­eine belie­bige Text­ver­ar­bei­tung ein­fü­gen (z.B. MS-Word oder ein­fach den Windows-Texteditor)Deutschland – ein Fuß­ball­mär­chen [1990]

    Es war ein­mal ein Volk, das fühlte sich so ver­arscht von der gan­zen Welt, daß es sich die Deut­schen nannte. Schon in der Volks­schule wollte nie­mand mit ihm Völ­ker­ball spie­len.
    Da beschloß das deut­sche Volk in einer dunk­len Stunde, Fuß­ball­welt­meis­ter zu wer­den. Und so gaben sich die Deut­schen eine Natio­nal­hymne, und die hieß: Deutsch­land vor, noch ein Tor. Der Refrain aber lau­tete: Olé – olé – oléo­léolé. Mit einem drei­fach don­nern­den Hurra zog nun die deut­sche Mann­schaft in der 14. Minute auf das Spiel­feld von Ver­dun. Nach einer hef­ti­gen Mate­ri­al­schlacht schien in der 18. Minute das Spiel ver­lo­ren. Da waren die Deut­schen belei­digt und ver­patz­ten sogar ihre eigene Revo­lu­tion. Nach Kleinklein-Spiel im eige­nen Raum wurde in der 33. Minute der Spiel­füh­rer aus­ge­wech­selt. Da freu­ten sich die Deut­schen und stürm­ten wie in alten Tagen, ja, das ganze deut­sche Volk schien aus lau­ter Stür­mern zu beste­hen.
    So kam es denn auch in der 38. Minute zum Anschluß­tref­fer gegen Öster­reich. In der 39. Minute wurde in alle Him­mels­rich­tun­gen geschos­sen, so daß der Sieg bald nahe schien. Doch in der 42. Minute geriet die deut­sche Mann­schaft in die sibi­ri­sche Abseits­falle. Da fiel die Mann­de­ckung aus, und der Rück­zug mußte ange­tre­ten wer­den. In der 45. Minute schon schien das Spiel bedin­gungs­los ver­lo­ren zu sein.
    Doch da kam der alte Reichs­trai­ner Sepp Her­ber­ger und sprach: Jedes Spiel dau­ert aber doch 90 Minu­ten, also laßt uns nicht die Feh­ler der 1. Halb­zeit dis­ku­tie­ren, son­dern die Socken hoch­krem­peln und wie­der tüch­tig zutre­ten. Denn der Ball ist rund, und das nächste Spiel ist immer das schwerste. Diese Sätze wur­den spä­ter von den Ver­fas­sungs­vä­tern wie­der auf­ge­grif­fen und bil­den den Boden der freiheitlich-demokratischen Grund­ge­wer­be­ord­nung.
    Nun braucht aber jede Fuß­ball­mann­schaft, um wirk­lich gut zu sein, einen Trai­nings­part­ner. Da alle sonst aus­ge­rot­tet waren, holte sich die deut­sche Mann­schaft die Kom­mu­nis­ten und ver­drosch sie wie in alten Zei­ten. Die Kom­mu­nis­ten jedoch woll­ten sel­ber Fuß­ball spie­len und nicht Pun­ching­ball sein. Darum grün­de­ten sie in der 49. Minute einen eige­nen Ver­ein und nann­ten sich Dynamo DDR Loko­mo­tive.
    In der 53. Minute kam es zu Ran­ge­leien im Straf­raum vor dem Bran­den­bur­ger Tor, so daß in der 61. Minute auf bei­den Sei­ten stark gemau­ert wurde. In der 69. Minute sorgte der neue Schieds­rich­ter Willy Brandt für vor­über­ge­hende Ent­span­nung.
    In der 89. Minute aber stürm­ten plötz­lich lau­ter Brü­der und Schwes­tern, die bis­her hin­ter dem gro­ßen Absperr­git­ter saßen, das Spiel­feld. Und so fra­gen wir uns nun­mehr: Kommt es in der 90. Minute zum End­sieg? Oder braucht das deut­sche Volk noch eine Verlängerung?

    Quelle: Gnade für nie­mand – Frei­spruch für alle. Ammann Ver­lag: Zürich 1990, S. 39 f.

  3. Lie­ber H.J. Schwar­zer, herz­li­chen Dank für Ihren Bei­trag. Was den Umgang mit gan­zen Text­tei­len oder Tex­ten betrifft, muss ich aber aus redak­tio­nel­len und urhe­ber­recht­li­chen Grün­den dar­auf hin­wei­sen, dass dies für den pri­va­ten Gebrauch gilt, nicht aber für Websites.

    Beste Grüße vom Mittelhessenblog

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