4. Februar 2012

Part­ner­schaft gefragt: Anto­ni­ter­kreuz ver­bin­det Mit­tel­hes­sen und die Dauphine

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Liebe Mit­tel­hes­sen­blog­le­ser: Manch­mal sind es die eher unschein­ba­ren Dinge, die einen ent­schei­den­den Hin­weis geben: Ein alter Plan, ver­steckt zwi­schen einem alten Glo­cken­stuhl und dem Mau­er­werk einer goti­schen Abtei­kir­che in Saint-Antoine-l-Abbaye. Für Kir­chen­his­to­ri­ker dürfte die Ange­le­gen­heit spä­tes­tens jetzt klar sein.

Der kleine Ort an der Naht­stelle zwi­schen dem Ver­cors, der Hoch­pro­vence und dem fran­zö­si­schen Alpen­vor­land im Ise­re­tal war das Zen­trum des Anto­ni­ter­or­dens, eines Hos­pi­zor­dens, der sich vor allem dem Kampf gegen das Anto­ni­us­feuer ver­schrie­ben hatte und seine Grün­dung einem dank­ba­ren loka­len Adli­gen ver­dan­ken soll, des­sen Sohn durch die hei­lende Wir­kung der Gebeine des Kir­chen­va­ters gesund gewor­den sein soll. Das mar­kante Zei­chen des Ordens: Der 19. Buch­stabe des grie­chi­schen Alpha­bets, das Tau. Als Anto­ni­ter­kreuz wurde es bekannt und ist heute nicht nur das Wap­pen der fran­zö­si­schen Land­ge­meinde, son­dern fin­det sich auch wie­der in den Wap­pen des Land­krei­ses Gie­ßen und der Justuts-Liebig-Universität Gie­ßen. Sowohl der Land­kreis wie auch die Gie­ße­ner Uni beru­fen sich in ihrer Wap­pen­ge­schichte aller­dings auf das Anto­ni­ter­klos­ter in Grün­berg. Jenes wäre aber ohne den Stamm­sitz der Anto­ni­ter in dem damals noch als Motte-aux-Bois bekann­ten heu­ti­gen Saint-Antoine-l-Abbaye gar nicht erst ent­stan­den. Grün­berg sel­ber lag ver­kehrs­güns­tig und wurde des­we­gen früh zu einer zen­tra­len Stütze des Ordens, vor allem mit Wir­kung auf den nord­deut­schen und bal­ti­schen Raum.

Heute ist von der Geschichte die­ses Ortes vor allem dies zu spü­ren: Die kom­plett erhal­tene mit­tel­al­ter­li­che Dorf­struk­tur wurde mit der Kir­che und dem Abtei­ge­bäude unter Denk­mal­schutz gestellt und zieht jähr­lich Tou­ris­ten an, bie­tet Raum für Lite­ra­tur– und Kunst­fes­ti­vals, oder Ver­an­stal­tung wie die seit 1990 beste­hen­den Nuits medi­evals, die mit­tel­al­ter­li­chen Nächte.

Ange­sichts zahl­rei­cher Part­ner­schaf­ten, die heute zwi­schen mit­tel­hes­si­schen Kom­mu­nen und fran­zö­si­schen Gemein­den beste­hen, drängt sich aber doch diese Frage auf: Warum hat es bis­her noch nie­mand für nötig befun­den, die­ses sicher­lich nicht banale his­to­ri­sche Moment als Grund­lage für eine Part­ner­schaft zu neh­men. Grün­berg, der Sitz des hie­si­gen Anto­ni­ter­klos­ters, hat eine Bezie­hung zu Con­dom, das in der Hei­mat des Cognac in der Gas­co­gne liegt. Gie­ßen sel­ber hatte eine Part­ner­schaft mit Ver­sailles, die inzwi­schen längst erlo­schen ist und den Land­kreis Gie­ßen ver­ban­den part­ner­schaft­li­che Bezie­hung mit ehe­mals deut­schen Gebie­ten im mit­tel­eu­ro­päi­schen Raum. Sicher­lich löb­lich. Aber: Es wun­dert doch, dass vor dem Hin­ter­grund die­ser viel­fäl­ti­gen Ver­bin­dun­gen es bis­lang noch keine Anstren­gun­gen gab oder gibt, hier eine kom­mu­nale oder region­be­zo­gene Par­ternmschaft zu begrün­den. Immer­hin: Mit Sar­ri­ans und Sor­gues gibt es immer­hin zwei Kon­takte in der, zumin­dest auto­tech­ni­schen, nähe­ren Umge­bung: Sar­ri­ans ist die Part­ner­ge­meinde Bie­ber­tals, Sor­gues die­je­nige Wet­ten­bergs. Beide zusam­men sind aller­dings rund 90 Auto­mi­nu­ten von Saint-Antoine-l-Abbaye entfernt.

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