28. April 2012

Sinn­lose Zer­stö­rung von Waldwohnzimmern

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Jahrelange Arbeit von Kindern wurde zerstört

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Mit­tel­hes­sen­blog­le­ser: Es ist „nur” ein Ereig­nis in einem klei­nen mit­tel­hes­si­schem Dorf. Nichts­des­to­we­ni­ger geschieht der­lei ver­mut­lich noch öfter, ohne dass über den loka­len Medi­en­rand hin­aus Notiz genom­men wird: Im Abstand von weni­gen Wochen haben bis­her unbe­kannte Täter zwei soge­nannte Wald­wohn­zim­mer in den Kin­der­gär­ten der Bie­ber­ta­ler Orts­teile Krum­bach und Fel­lings­hau­sen zer­stört. Was Eltern, Kin­der und Ver­ant­wort­li­che der Kin­der­gär­ten auf­regt, ist weni­ger der zer­störte Mate­ri­al­wert als viel­mehr die Rück­sichts­lo­sig­keit gegen­über der Zeit und der Arbeit, die meh­rere Kin­der­gar­ten­jahr­gänge in den Auf­bau ihrer Wald­wohn­zim­mer gesteckt haben. Trotz der Ver­mu­tung, dass es sich bei den Tätern um orts­nahe gelang­weilte Jugend­li­che han­deln könnte, fehlt aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den hier­für jeg­li­ches Verständnis.

Wir wer­den Anzeige gegen Unbe­kannt erstat­ten“, nannte Hans Ben­der vom Vor­stand der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­meinde Fel­lings­hau­sen eine unmit­tel­bare Reak­tion auf die Zer­stö­rung, die sich bis­her unbe­kannte Täter im Wald­wohn­zim­mer der Kin­der­ta­ges­stätte „Zum Fuchs­bau“ geleis­tet haben. Es ist weni­ger der Mate­ri­al­wert der zer­stört wurde, son­dern die Igno­ranz, die hin­ter der Tat stehe und sich gegen die Kin­der richte, die das Wald­wohn­zim­mer letzt­lich in fort­wäh­ren­der drei­jäh­ri­ger Arbeit zu dem gemacht hät­ten, was es bis vor vier Wochen gewe­sen sei, erklär­ten die Lei­te­rin der Kin­der­ta­ges­stätte, Karina Schäfer-Becker und ihre Mit­ar­bei­te­rin Susanne Enzigmüller-Seitz gegen­über dem Mit­tel­hes­sen­blog. Aus Stäm­men und von der Revier­förs­te­rei Bie­ber­tal zur Ver­fü­gung gestell­ten Holz­klöt­zen als Stühle für die Kin­der hat­ten sich im Laufe der Jahre meh­rere Gene­ra­tio­nen von Kin­der­gar­ten­kin­der dort unter Anlei­tung ihrer Erzie­he­rin­nen ein Refu­gium und gleich­zei­tig einen Aus­gangs­punkt für viel­fäl­tige Ent­de­ckungs­aus­flüge in den nahe gele­ge­nen Wald am Düns­berg geschaf­fen. Der Wald­tage finde in der Regel ein­mal wöchent­lich statt und sei ein Fix­punkt im Kin­der­gar­ten­all­tag, auf den sich die Kin­der freu­ten. Aus Stäm­men hat­ten sich die Kin­der ein Tipi gebaut, ein alter ver­trock­ne­ter Baum diente als immer wie­der neu zu schmü­cken­der Weih­nachts­baum, zeit­weise hat­ten die Kin­der zwei Tipis, „einen für Jun­gen und einen für Mäd­chen“, wie Enzigmüller-Seitz erklärte. Trotz der Ver­är­ge­rung hat die Kin­der­gar­ten­mit­ar­bei­te­rin zumin­dest Ansätze einer mög­li­chen Erklä­rung, die auch von Ben­der und dem Vor­sit­zen­den der örtli­chen Natur­schutz­gruppe, Rolf Gerth geteilt wird: „Wie es aus­sieht, waren es ver­mut­lich Jugend­li­che, viel­leicht sogar sol­che, die selbst als Kin­der hier gespielt haben. Offen­sicht­lich gibt es hier zu wenige Ange­bote für Jugend­li­che, wes­we­gen sie aus Lan­ge­weile auf sol­che Ideen kom­men.“. Gerth weist noch auf zwei andere Dinge hin: So wie das Wald­wohn­zim­mer sei auch ein Insek­ten­ho­tel nahezu mit Regel­mä­ßig­keit demo­liert wor­den, sobald es von den Kin­der­gar­ten­kin­dern her­ge­rich­tet wor­den war und zum ande­ren sei eine Ruhe­bank für Spa­zier­gän­ger in der Nähe des Wald­wohn­zim­mers eben­falls spur­los ver­schwun­den. Hier zwei­felt Gerth aber, dass Jugend­li­che ihre Hand im Spiel haben könnten.

Dass die Kin­der­gar­ten­mit­ar­bei­te­rin mit ihrer Ver­mu­tung hin­sicht­lich der Zer­stö­rung des Wald­wohn­zim­mers Recht haben könnte, dafür steht eine andere Epi­sode aus dem Düns­berg­dorf, das zur Gemeinde Bie­ber­tal gehört: Im Som­mer hat­ten sich Jugend­li­che in einem nahe­ge­le­ge­nen Wohn­ge­biet eine Mountainbike-Strecke ein­ge­rich­tet, nach­dem sie vor­her ihrem Hobby im Wald nach­ge­gan­gen waren.Das war ihnen ver­bo­ten wor­den, wor­auf sie in ihr Wohn­ge­biet aus­ge­wi­chen waren. Dies hatte zur Beschwerde durch einen Anwoh­ner geführt, wor­auf die Gemein­de­po­li­zis­tin geru­fen wurde und dort den Jugend­li­chen eben­falls ver­bo­ten hatte, mit den Moun­tain­bikes zu fah­ren. Wenig spä­ter kam es nach Beschwer­den sei­tens der Eltern­schaft und der Jugend­li­chen zu einem Orts­ter­min mit dem Bie­ber­ta­ler Bür­ger­meis­ter Tho­mas Ben­der, in des­sen Folge ein Kom­pro­miss­vor­schlag gefun­den wurde, zu dem die Jugend­li­chen sel­ber noch Ideen bei­steu­ern konn­ten. Aktu­el­ler Stand der Dinge ist der, dass der Kom­pro­miss­vor­schlag immer noch nur ein Plan ist und der ehe­ma­lige Mountainbike-Hügel zur Stra­ßen­seite hin mit Holz­bal­ken blo­ckiert wurde. Auf Nach­frage sagte Bür­ger­meis­ter Ben­der gegen­über dem Mit­tel­hes­sen­blog, dass die Jugend­li­chen den Kom­pro­miss­vor­schlag am Ende als zu weit von ihrem Wohn­ge­biet bezeich­net hätten.

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