24. April 2012

Solar­park Hohen­ahr im Nato­tan­kla­ger Erda soll am 1.1.2012 ans Netz gehen — Was geschieht mit den Gebäu­den: Doku­zen­trum für den Kal­ten Krieg und Erneu­er­bare Energien?

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UMWELT/POLITIK und WIRTSCHAFT

Schwer­ter zu Pflug­scha­ren hieß es in den 80’er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts bei der Frie­dens­be­we­gung. Waren deren Pro­test­ziele eher die gro­ßen Stand­orte wie Mut­lan­gen, so sorg­ten in Mit­tel­hes­sen eher rumo­rende Tank­las­ter der US-Armee für Unmut. Spe­zi­ell wenn es den Trans­port vom Nato­tan­kla­ger zwi­schen Erda und Fran­ken­bach betraf. Diese Zei­ten sind mitt­ler­weile längst Geschichte. Geschichte aber auch der Dorn­rös­chen­schlaf, der über das Lager seit des­sen Auf­gabe durch das Mili­tär gefal­len war. Denn spä­tes­tens ab 1. Januar 2012 , bes­ser noch im Dezem­ber 2011, also noch in die­sem Jahr, soll dort Son­nen­kraft ins öffent­li­che Strom­netz flie­ßen.  Eine Frage ist aber zur Zeit noch unge­löst: Was pas­siert mit den bis­he­ri­gen Verwaltungsgebäuden?

Auf acht Hektar sollen im ehemaligen Natotanklager bei Erda in Mittelhessen für 3,1 Millionen Kilowatt Sonnenstrom im Jahr erzeugt werden.

Weit reicht der Blick von Erda vom künf­ti­gen Solar­park Hohen­ahr zu den Wind­rä­dern von Bot­ten­horn. Diese Tech­nik soll in weni­gen Jah­ren auch bei Hohen­solms zur Ener­gie­er­zeu­gung bei­tra­gen. Bild: Mittelhessenblog.de

Das Mit­tel­hes­sen­blog hatte über die  Pläne für das ehe­ma­lige Nato­tan­kla­ger bereits mehr­fach berich­tet. Eine neue Idee brachte  wäh­rend des Spa­ten­stichs für den neuen Solar­park aller­dings Hohen­ahrs Bür­ger­meis­ter Armin Frink ins Spiel. Frink wies wäh­rend sei­ner Begrü­ßungs­e­rede auf die inzwi­schen unge­nutz­ten und gerei­nig­ten Tanks des ehe­ma­li­gen Nato­tan­kla­gers hin. Außer dass deren unmit­tel­bare Umge­bung in einem ökolo­gi­schen Gut­ach­ten als beson­ders wert­vol­ler und des­we­gen unver­än­der­ba­rer Platz bezeich­net wor­den sei, böten die Tanks sei­ner Auf­fas­sung nach ideale Vor­aus­set­zun­gen für Spei­cher­tech­no­lo­gien für erneu­er­bare Ener­gien, die „es hof­fent­lich in naher Zukunft geben wird. Aber mög­li­cher­weise wer­den wir diese Ent­wick­lung auch nicht mehr erle­ben”, unter­strich Frink seine Hoffnung.

Noch eine ganz andere Frage stellt sich auf dem Gelände. Was geschieht eigent­lich mit dem Ver­wal­tungs­trakt, der gleich­zei­tig noch das Labor und das Not­strom­ag­gre­gat besitzt, mit zwei Gene­ra­to­ren, die laut Typen­schild aus dem Jahr 1955 stam­men und sei­ner­zeit noch von einer Firma mit Welt­ruf gebaut wor­den waren: Klöckner-Humboldt-Deutz, kurz KHD. Wie schon die Tanks im Grunde Indus­trie­ge­schichte dar­stel­len, ihre Fil­ter stam­men von der inzwi­schen wie­der gesund daste­hen­den Fil­ter­firma Faudi in Stadt­al­len­dorf. Für Hans-Wilhelm Kisch aus Lohra und die Kirch­ver­ser Unter­neh­mer­fa­mi­lie Rühl, zwei der Inves­to­ren, wäre es zumin­dest vor­stell­bar, dass in den „eigent­lich noch intak­ten Gebäu­den” ein Doku­zen­trum rund um die Zeit des Kal­ten Krie­ges, also der Zeit der Kon­fron­ta­tion der bei­den Super­mächte USA und Sowjet­union ent­ste­hen könnte. Diese Aus­sicht hat durch­aus Pfiff. Denn so könn­ten die THM (Tech­ni­sche Hoch­schule Mit­tel­hes­sen) , die Gie­ße­ner Justus-Liebig-Universität und/oder auch das Zen­trum für Kon­flikt­for­schung aus Mar­burg in Ver­bin­dung mit inter­es­sier­ten Mit­tel­hes­sen die­sem bis­her eher ver­steckt abseits lie­gen­den Relikt des Kal­ten Kriegs und gleich­zei­tig künf­ti­gem Stand­ort neuer zukunfts­wei­sen­der Ener­gie­ver­sor­gung auch im sym­bo­li­schen Sinn der Worte zu „einem Platz an der Sonne” ver­hel­fen. Die­ses Pro­jekt wäre dann zudem ein durch und durch mit­tel­hes­si­sches, denn dann wären min­des­tens Men­schen aus den drei Land­krei­sen Gie­ßen, Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill  daran beteiligt.

Stand­ort für mög­li­ches Doku­zen­trum? Das ehe­ma­lige Ver­wal­tungs­ge­bäude des Nato­tan­kla­gers mit zwei Not­strom­ge­ne­ra­to­ren. Bild: Mittelhessenblog.de

 

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