Lemmy Kil­mis­ter, Welt­kriegs­mahn­male, das VBK47 und die „Nazi-Devotionale”

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Die Nazi-Devotionale, die keine ist, von Bild aber dazu erklärt wird: Das Eiserne Kreuz, hier am Hals von Lemmy Kilmister: Quelle Bild.de, Grafik: Mittelhessenblog

Die Nazi-Devotionale, die keine ist, von Bild aber dazu erklärt wird: Das Eiserne Kreuz, hier am Hals von Lemmy Kil­mis­ter: Quelle Bild.de, Gra­fik: Mittelhessenblog

Er kam über­ra­schend, der Tod des Vaters des Heavy Metal. Der Tod von Lemmy Kil­mis­ter. Über­ra­schend war aller­dings auch ein klei­nes Detail in einer Bild­un­ter­schrift bei Bild-Online. Die, wenn die­ses Detail ernst­ge­meint ist, nicht nur Kil­mis­ter zum Lieb­ha­ber von „Nazi-Devotionalen” macht, son­dern auch all jene, die das Eiserne Kreuz als offi­zi­el­les Abzei­chen benut­zen oder in Denk– und Mahn­ma­len ver­wen­den. Also zum Bei­spiel das Wap­pen des ehe­ma­li­gen VBK 47 aus Gie­ßen oder viele der zahl­rei­chen Mahn­stät­ten, die an die Gefal­le­nen des ers­ten Welt­kriegs erin­nern. Und 2016 ist gar ein Jubi­lä­ums­jahr für das Eiserne Kreuz.

 

Das Eiserne Kreuz, so die Bot­schaft des Auf­ma­cher­bil­des bei BILD, sei eine Nazi­de­vo­tio­na­lie. Dabei sind Ursprung und Geschichte eine ganz andere. Das Eiserne Kreuz wurde 1813 von Karl Fried­rich Schin­kel ent­wor­fen. Auf­trag­ge­ber war damals Preu­ßen­kö­nig Fried­rich Wil­helm III. Damals, vor etwas mehr als 200 Jah­ren, soll­ten damit die belohnt wer­den, die sich gegen die fran­zö­si­sche Besat­zung auf­lehn­ten. Ganz gleich, ob Zivi­list oder Sol­dat. Eigent­lich war das Eiserne Kreuz auch spe­zi­ell für die­sen Zweck ent­wor­fen wor­den. Die Geschichte des Ordens, der sich in sei­ner Form bewusst am Kreuz des Deut­schen Ordens ori­en­tierte, ging indes wei­ter. Über den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, bis zum ers­ten und zum zwei­ten Welt­krieg. Das Haken­kreuz spielte als Zusatz nur in der Zeit eine Rolle, als sich die NS-Diktatur dies als Ideo­lo­gie– und Hoheits­zei­chen aus­ge­sucht hatte. An der Stelle stellt sich die Frage, ob bei der Redak­tion von Bild-Online der Rot­stift inzwi­schen so stark ange­setzt wurde, dass es keine ver­nünf­tige Kor­rek­tur mehr gibt — oder ob das his­to­ri­sche Wis­sen zur Ein­ord­nung von Fak­ten der ver­ant­wort­li­chen Redak­ti­ons­kol­le­gen inzwi­schen so lücken­haft ist, dass sie Opfer einer Ent­wick­lung sind, die die Redak­ti­ons­kol­le­gen der Welt bekla­gen. Den „fata­len Nie­der­gang des Faches Geschichte”…Bekann­ter­ma­ßen auch ein Pro­dukt aus dem Hause Sprin­ger. Wenn, wäre der Begriff „Nazi-Devotionale” höchs­tens dann ange­bracht, wenn Kil­mis­ter auf die­sem Bild ein Eiser­nes Kreuz mit Haken­kreuz in der Mitte tra­gen würde. Das aber ist zumin­dest, auch ver­grö­ßert, auf die­ser Auf­nahme nicht festzustellen.

Selbst in der Vergrößerung weist auf der Aufnahme, die Bild verwendet, nicht auf ein Eisernes Kreuz mit hakenkreuzemblem hin. Quelle: BIld, Robert John Photography, Bearbeitung: Mittelhessenblog

Selbst in der Ver­grö­ße­rung weist auf der Auf­nahme, die Bild ver­wen­det, nichts auf ein Eiser­nes Kreuz mit Haken­kreu­zem­blem hin. Quelle: Bild, Robert John Pho­to­gra­phy, Bear­bei­tung: Mittelhessenblog

Wappen des ehemals in Gießen stationierten Verteidigungsbezirkskommandos VBK 47: Mit Eisernem Kreuz und dem Gießener Löwen. Quelle: Wikipedia

Wap­pen des ehe­mals in Gie­ßen sta­tio­nier­ten Ver­tei­di­gungs­be­zirks­kom­man­dos VBK 47: Mit Eiser­nem Kreuz und dem Gie­ße­ner Löwen. Quelle: Wikipedia

Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs sollte es 11 Jahre dau­ern, bis das Eiserne Kreuz wie­der ins öffent­li­che Leben zurück­kehrte. Zwar nicht als Orden, aber als Hoheits­zei­chen der Bundeswehr.

Jubi­lä­ums­da­tum Okto­ber 2016 für „Nazi-Devotionale”

Am 1. Okto­ber 1956 ord­nete der dama­lige Bun­des­prä­si­dent Theo­dor Heuss die Wie­der­ein­füh­rung des Eiser­nen Kreu­zes als Dienst– und Hoheits­zei­chen für die Bun­des­wehr an. Inso­fern naht also 2016 ein Jubi­lä­ums­da­tun für ein Sym­bol, das sich bei Bild-Online als „Nazi-Devotionale” wie­der­fin­det.
Die glei­che „Devo­tio­nale” gehörte gemein­sam mit dem Gie­ße­ner Löwen zum Wap­pen des Ver­tei­di­gungs­be­zirks­kom­man­dos VBK 47, das in der Berg­ka­serne in Gie­ßen sta­tio­niert war.

Das Eiserne Kreuz gehört ebenfalls zur Grundausstattung jedes Gefallenendenkmals für die deutschen Gefallenen des Ersten Weltkriegs wie hier in Bischoffen im Lahn-Dill-Kreis. Foto: v. Gallera

Das Eiserne Kreuz gehört eben­falls zur Grund­aus­stat­tung jedes Gefal­len­en­denk­mals für die deut­schen Gefal­le­nen des Ers­ten Welt­kriegs wie hier in Bisch­of­fen im Lahn-Dill-Kreis. Foto: v. Gallera

Sie gehört genauso zum Bestand­teil jedes Gefal­len­denk­mals für die deut­schen Sol­da­ten des ers­ten Weltkriegs.

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